Besinnliches

Orgelvorspiel 

Im Namen Gottes – des Vaters und des  Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen (gesprochen)

Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.

Mit dem Wochenspruch aus dem Buch des Propheten Micha grüße ich Sie zu diesem Gottesdienst am 20. Sonntag nach Trinitatis

Auch wenn mich einige von Ihnen bereits kennen, möchte ich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Andrea Eller, ich bin Prädikantin in unserem Kirchenbezirk und komme aus Attenweiler. Ich freue mich, heute hier in Altshausen mit Ihnen Gottesdienst zu feiern.

Wir beten miteinander – ganzversweise - im  Wechsel Psalm 1

Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen
noch tritt auf den Weg der Sünder
noch sitzt, wo die Spötter sitzen,

sondern hat Lust am Gesetz des Herrn
und sinnt über seinem Gesetz Tag und Nacht!

Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen,
der seine Frucht bringt zu seiner Zeit,

und seine Blätter verwelken nicht.
Und was er macht, das gerät wohl.

Aber so sind die Gottlosen nicht,
sondern wie Spreu, die der Wind verstreut.

Darum bestehen die Gottlosen nicht im Gericht
noch die Sünder in der Gemeinde der Gerechten.

Denn der Herr kennt den Weg der Gerechten,
aber der Gottlosen Weg vergeht.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

Gott, so oft wird gesagt,

du seist uns kein Fremder geblieben,

sondern seist nahe denen,

die zu dir beten.

 

Lass uns sehen und erleben,

dass wir auf diese Worte bauen können.

Mach uns deiner Nähe gewiss

und lass uns voll Freude

Jesus Christus erkennen,

deinen Sohn in unserer Mitte. 

Höre uns, wenn wir in der Stille vor dich bringen, was uns bewegt:

      

Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft. – Amen

Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht,
Christus, meine Zuversicht, auf dich vertrau ich und fürcht´mich nicht.

Schriftlesung 2. Mose 20, 8-11.

Lied EG 295,1-4 Wohl denen, die da wandeln

Predigt

Predigt zu Markus 2, 23-28

 

  1. Regeln engen uns ein!?

Liebe Gemeinde,

»das ist doch alles Schikane!«

 

Das ist doch alles Schikane: Die ganze Autobahn ist frei, kein anderer Fahrer weit und breit. Und ich soll nur 100 km/h fahren dürfen?

Das ist doch alles Schikane: Die Lehrerin stellt zum
2. Mal dieselbe Frage, keiner will etwas sagen und ich bekomme Ärger, weil ich die richtige Antwort laut hineinrufe, ohne ein Handzeichen zu geben?

Das ist doch alles Schikane: In unserem Ort gab es schon lange keine neuen Corona-Infektionen mehr und ich soll(te) mich trotzdem noch an die Hygieneregeln halten?

Das ist doch alles Schikane. Geben wir es zu: Wer von uns hat das nicht schon einmal gedacht? Sicher könnte jede und jeder von uns noch viele weitere Beispiele dafür nennen, wo uns eine Regel oder ein Gesetz als Schikane vorgekommen ist.

 

Als Schikane erleben wir etwas, wenn wir das Gefühl haben: Wir werden in unserer Freiheit eingeengt: Ich kann doch selbst einschätzen, wie schnell ich fahren darf!

Ich weiß doch, wann niemand in der Klasse etwas sagen möchte!

Mir ist/war doch klar, wann ein Mundschutz angebracht ist/war.

Selbstverständlich möchte ich mich selbst und andere nicht gefährden! Da brauche ich niemanden, der mir
irgendwelche Regeln vorschreibt!

Wirklich!?

 

  1. Regeln geben Freiraum?!

Ohne Regeln geht es nicht. Das haben die genannten Beispiele hoffentlich gezeigt: Eine Geschwindigkeits-begrenzung soll Menschen schützen. Gesprächsregeln im Klassenzimmer machen ein Gespräch, in dem alle gehört werden können, erst möglich. Die Hygieneregeln dien(t)en dazu, die weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern oder zumindest stark einzudämmen, um
katastrophale Zustände wie in Italien oder den USA
zu vermeiden.

 

Im Grunde wissen wir das doch: Regeln schützen uns und schaffen Freiräume, in denen wir uns bewegen können. Da brauchen wir doch nur an verschiedene Sportarten und Spiele zu denken. Ein Fußballspiel, eine olympische Disziplin oder einfach ein »Mensch, ärgere dich nicht-Spiel« verliert ohne Regeln seinen Reiz.

 

Wenn Regeln einfach geändert werden und nicht für alle gelten, fühlen wir uns schnell ungerecht behandelt, vor allem dann, wenn die Regeln zu unseren Ungunsten geändert oder ausgelegt werden: Ein Fußballspiel mit einem parteiischen Schiedsrichter? Ein einseitiger Wertungsrichter bei einem olympischen Wettkampf? Das geht gar nicht! Ein Posaunenchor oder ein Orchester, in dem alle Musizierenden Tempo und Tonart selbst bestimmen
können? Das will wohl niemand hören.

 

Wir Menschen brauchen Regeln und Gesetze, auch, wenn das manchmal unbequem scheint. Sonst entsteht Chaos, denn jede und jeder von uns schätzt Situationen anders ein. Die Abstandsempfehlungen im Supermarkt wurden erst eingehalten, nachdem Markierungen angebracht worden waren, vorher nicht.

 

Außerdem würde ohne Regeln das Recht des Stärkeren gelten: Man stelle sich vor, es gäbe keine Möglichkeit, gegen Betrug, Diebstahl oder Mord vorzugehen!
Darunter würden vor allem die Schwächeren leiden.

 

Wir Menschen brauchen Regeln und Gesetze. Sie sollen uns schützen und uns Freiraum bieten. Das wäre jedenfalls der Idealfall.


III. Wann werden Regeln zur Schikane?

Wann eine Regel tatsächlich zur Schikane werden kann, hält uns der heutige Predigttext vor Augen: Die Pharisäer ermahnen Jesus, dass seine Jünger das Gebot der Heiligung des Sabbats brechen, weil sie auf dem Feld Ähren raufen. Die Jünger raufen Ähren, das bedeutet: Sie ernten Getreide und zerkleinern die Körner, um sie essen zu können. Für die Pharisäer gilt in unserer Geschichte beides als verboten: Die Arbeit des Erntens und auch das Zubereiten von Mahlzeiten. Die Pharisäer legen das 3. Gebot: »Du sollst den Feiertag heiligen« sehr streng aus.

 

Nach Jesus richtet sich diese strenge Auslegung gegen den Menschen: »Der Sabbat ist um des Menschen willen
gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.«

Damit erinnert Jesus an den Sinn des 3. Gebotes, denn die Einführung des Sabbatgebotes ist eine große soziale Errungenschaft in der Menschheitsgeschichte. Nach sechs Tagen darf nicht nur, sondern soll ein Ruhetag eingelegt werden – und zwar für alle, ohne Unterschied. Alle sollen sich ausruhen dürfen. Der Sabbat sollte der Tag der Ruhe sein und der Tag, der dem Lob Gottes vorbehalten ist.

 

Das sagt uns die Bibel im 2. Buch Mose (20, 8–11):

»Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun, auch nicht dein Sohn, deine Tochter, dein Knecht, deine Magd, dein Vieh, auch nicht dein Fremdling, der in deiner Stadt lebt. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.«

 

Außerdem lesen wir an anderer Stelle im 5. Buch Mose (5, 12.15): »Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligst, wie dir der Herr, dein Gott, geboten hat. Denn du sollst daran denken, dass auch du Knecht in Ägyptenland warst und der Herr, dein Gott, dich von dort heraus-geführt hat mit mächtiger Hand und ausgerecktem Arm. Darum hat dir der Herr, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten sollst.«

 

Danach hat der Ruhetag einen doppelten Sinn: Er ist
der Tag des Ausruhens und der Tag des Gottesdienstes.
Hinter beidem steht die Absicht der Freiheit und der
Befreiung!

Diese Absicht haben die Pharisäer für Jesus aus den
Augen verloren. Ihre Auslegung schränkt die Freiheit der Jünger ein und verwehrt ihnen mit der Nahrung Wesentliches zum Leben. Es ist also gar nicht das 3. Gebot, das zur Schikane wird. Es ist die Auslegung des 3. Gebotes durch die Pharisäer!

 

Jesus hebt das 3. Gebot in seiner Rede nicht auf. Im Gegenteil: Er weist die Pharisäer auf König David hin, der am Sabbat in einer Hungersnot die Schaubrote aß und mit den Bedürftigen teilte. So verweist er auf die Heilige Schrift, ihre gemeinsame Grundlage. Er, der Sohn Gottes, sagt ihnen, wie das 3. Gebot auszulegen ist. Er entlastet die Jünger von dem Vorwurf, gegen das 3. Gebot verstoßen zu haben: »Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.«

 

Wann werden Regeln also zur Schikane? Regeln werden zur Schikane, wenn sie so ausgelegt werden, dass sie nicht mehr dem Wohl der Menschen dienen – und zwar aller Menschen. Das gilt auch für das Gebot der Feiertagsheiligung.

 

  1. Die Wohltat des Sonntags und des Gottesdienstes

Die Pharisäer nehmen das 3. Gebot zu ernst. Das dürfte uns heute wohl eher fremd sein. Unser Problem ist es nicht mehr, dass wir wie die Pharisäer zur Zeit Jesu das
3. Gebot zu ernst nehmen. Unser Problem ist, dass wir uns gerade im Blick auf die Feiertagsheiligung sehr weit von Gottes Gebot entfernt haben.

 

Als Christinnen und Christen feiern wir seit Ostern nicht den Samstag, den letzten Tag der Woche, als Ruhetag, sondern den Sonntag. Wir feiern am Sonntag die Befreiung aus Schuld und Sinnlosigkeit, die uns durch Jesus Christus an Karfreitag und Ostern geschenkt wurde. An jedem Sonntag soll uns das immer wieder neu in Erinnerung gerufen werden, dass wir durch die Auferstehung Jesu Christi Hoffnung auf ein neues Leben haben.

 

Nun gibt es zahlreiche Berufsgruppen, die sonntags nicht sagen können: Ich bin Christ, also kann ich am Sonntag nicht arbeiten. Um des Menschen willen sind beispielsweise medizinische Dienste, Pflegekräfte, Rettungskräfte, Polizei oder auch Pfarrpersonen einsatzbereit. Dieser Dienst ist auch ein Dienst am Menschen und geschieht damit zum Lob Gottes. Außerdem nehmen wir am Sonntag gerne den Dienst derer an, die in Gasthäusern arbeiten. Sie arbeiten, damit wir uns entspannen können.

 

Wichtig für alle, die am Sonntag arbeiten müssen, ist aber, dass sie für sich auch einen siebten Tag finden,
an dem sie zur Ruhe kommen können.

Wir haben nämlich keinen Gott, der uns befiehlt: »Du musst alles tun, damit du gut und anerkannt bist. Du musst arbeiten, bis zum Umfallen. Du musst immer erreichbar sein. Du musst arbeiten, bis deine familiären und freundschaftlichen Beziehungen zerbrechen.« Nein – das alles will Gott nicht!

Wir haben einen menschenfreundlichen Gott. Bei ihm heißt es: Du darfst ausruhen, du darfst genießen. Unser Gott will unsere Gesundheit. Er will, dass wir etwas vom Leben haben.

 

Dabei hilft der Gottesdienst. Er ist gerade keine Schikane, wie vielleicht so mancher Konfirmand denken könnte. Eine Pflicht für den Gottesdienst gibt es nicht, aber die Einsicht, dass ich den Gottesdienst brauche.

Ich brauche den Gottesdienst am Sonntag, der mir eine Pause von meinen alltäglichen Sorgen gönnt.

Ich brauche den Sonntag, um dem menschenfreundlichen Gott zu danken, für die Freiheit, die uns in Christus
geschenkt ist.

Ich brauche den Sonntag, um Orientierung aus dem Wort Gottes zu erhalten.

 

Müssen wir in den Gottesdienst gehen?

Nein, wir müssen nicht, aber wir brauchen ihn. Wir
brauchen ihn, um Mensch zu sein und um Mensch zu bleiben. Denn – der Sonntag ist für den Menschen gemacht

Amen.

Orgel – Solo

Treuer Gott!

Aus allen Völkern hast du dir deine Kinder erwählt.

Wir bitten dich für die Menschen,

denen es schwer fällt, dir zu vertrauen,

deren Lebensweg von schwierigen Erfahrungen geprägt ist.

 

Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich

 

Wir bitten

für unsere Kinder, die getauft werden,

für ihre Eltern und Paten,

für unsere Jugendlichen, die im kommenden Jahr konfirmiert werden.

 

Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich

 

Wir bitten

für die Menschen unter uns, in deren Herzen

Verzweiflung und Misstrauen wohnen,

für die, die verstummt sind, nicht mehr beten und erzählen können.

 

Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich

 

 Wir bitten

für die, die um Liebe und Anerkennung kämpfen müssen,

für die, die im Aufbruch begriffen sind in einen neuen Lebensabschnitt,

für die, die Abschied nehmen und Vertrautes loslassen müssen.

 

Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich

 

Wir bitten

für alle, die zwischen den Stühlen sind,

für unsere Kranken, die Belasteten und Beschwerten,

für die Menschen in unserer Gemeinde, die um einen lieben Menschen trauern,

für die, die an der Schwelle des Todes stehen und für die, die Kranke und Sterbende versorgen.

 

Wir rufen zu dir: Herr, erbarme dich

Gemeinsam beten wir weiter mit den Worten,  die dein Sohn uns gelehrt hat.

Vater unser im Himmel …

Lied: Gottes Ruhetag, EG 566,1-4

Abkündigungen

         Der Herr segne euch und behüte euch.

         Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

         Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch  und gebe euch Frieden.

Amen (gesprochen)

Orgelnachspiel

Die Jahreslosung 2020 weist einen Weg aus dem Rätsel der eigenen Existenz. Es scheint so zu sein, dass die Frage: "Wer bin ich?", die Frage nach der eigenen Identität eine ganz moderne Frage ist. Die Anworten, die unsere Zeit darauf gibt, hängen alle mit dem so groß geschriebenen "Selbst" zusammen.
Ich habe Selbstzweifel und brauche Selbstvertrauen. Ich habe Schuldgefühle und brauche Selbstbejahung. Ich soll lieben und brauche doch erst einmal Selbstliebe. Und es gibt unzählige Ratgeber für diese Problematik, die ich Existenznot nennen möchte und die wohl jeder und jede von uns kennt. "Fühl dich erst mal gut! Glaub an dich selbst! Mach dich schön!" Lauter Imperative, die uns in unserer Existenznot wieder auf uns selbst zurückwerfen.

Jahreslosung 2020Die Karte zur Jahreslosung der Evangelischen Frauen in Deutschland von Fotograf Pavel Kibenko, "Blickwechsel" genannt, zeigt eine Tänzerin, die ihrem Spiegelbild gegenübersteht (Quelle: Evangelische Frauen in Deutschland im Evangelischen Zentrum Frauen und Männer gGmbH). Fast sieht es so aus, als wolle sie in einem großen Schritt in den Spiegel hineintanzen, eintauchen in die Oberfläche, die wie eine Wasseroberfläche scheint, eine bewegte Wasseroberfläche wie ein See, in den man eintauchen kann und so eins werden mit seinem Spiegelbild. Doch die Hand der Tänzerin zeigt schon die Grenze, die Unmöglichkeit, hinter den Spiegel zu gehen.
Das Bild berührt mich und weckt ein Gefühl, das mir vertraut ist: die große Sehnsucht, die Fremdheit zu mir selbst aufzulösen, die Erfahrung meiner eigenen Rätselhaftigkeit, der Unmöglichkeit, selbst eine Antwort zu finden auf meine Frage: "Wer bin ich", indem ich in den Spiegel schaue, mich selbst erforsche, nach Selbsterkenntnis strebe und meine Lebensgeschichte befrage. Wie die Tänzerin komme ich an eine Grenze und was mir entgegenkommt ist nur ein undeutliches Spiegelbild meiner Selbst.
Der Apostel Paulus kennt diese Erfahrung und benennt sie mit den Worten: "Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild" (1. Korinther 13,12 nach Luther). Dietrich Bonhoeffer benennt sie in seinem Gedicht "Wer bin ich", das er im Juli 1944 im Gefängnis geschrieben hat. (Bitte nachlesen, kann aus Gründen des Copyrights hier nicht eingestellt werden). Dietrich Bonhoeffer überschreitet in seinem verzweifelten Fragen den Zirkel des eigenen Selbst und wendet sich an die größere Macht, die ihn birgt. Auch Paulus fährt fort: "Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin." Der Weg aus der Rätselhaftigkeit der eigenen Identität überschreitet die Grenzen des eigenen Selbst.
Diesen Schritt zu tun ist uns selbst unmöglich. Er liegt nicht im Bereich der eigenen Machbarkeit. Er ist nicht unser Vermögen, nichts, zu dem wir imstande sind, einfach so, aus eigener Kraft, weil wir es eben mal beschlossen haben, dass wir das so machen.
Und doch hängt unsere ganze Existenz davon ab, ob wir Zutrauen gewinnen zu dieser größeren Macht. Der Theologe Karl Barth schreibt (in: Das Wort Gottes als Aufgabe der Theologie): Die "Antwort auf die Frage, das Ende der Existenznot ist das schlechthin neue Geschehen, dass das Unmögliche selbst das Mögliche wird, der Tod das Leben, die Ewigkeit Zeit, Gott Mensch. Ein neues Geschehen, zu dem kein Weg führt, für das der Mensch kein Organ hat."
Man beachte: Wieder kommt das Wort "selbst" vor, aber diesmal ist es das Selbst außerhalb der Grenzen unseres eigenen Selbst. Es ist das Selbst, das uns geschaffen hat, das uns birgt im Leben wie im Sterben, das uns umgibt von allen Seiten und doch in uns ist. Es ist das Selbst, dessen Abbild wir sind und doch ganz anders, das uns kennt, viel umfassender und tiefer als wir selbst uns kennen und verstehen können.

Jahreslosung 2020: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! (Markus 9,24)

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