Besinnliches

Nächster Sonntagsgottesdienst

Sonntag, 2. Juli, 3. Sonntag nach Trinitatis
Wochenspruch: Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist. (Lukas 19,10)
Predigttext: Lukas 15,11-32
9.30 Uhr Gottesdienst mit Prädikantin Imke Winter.
Gleichzeitig ist Kinderkirche mit Beginn in der Kirche.
Die Kollekte des Gottesdienstes ist für die eigene Gemeinde bestimmt.

„Jetzt habt ihr Traurigkeit, weil ich es euch gesagt habe.“ In seinen Abschiedsreden mutet Jesus seinen Jüngern die eine Wahrheit zu: die Wahrheit, das wird der Abschied sein – „ich gehe weg“ – wohin? Warum?
Die Jünger wagen gar nicht zu fragen. Judas wird ihn verraten. Petrus dreimal verleugnen ehe der Hahn kräht. Die Wahrheit wird Jesus ans Kreuz bringen. Die Wahrheit wird auch die Jüngerinnen und Jünger nicht verschonen. Auch sie werden verfolgt werden.
„Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen“, sagt Jesus zu ihnen.
Die Wahrheit ist: Es gibt das Martyrium. Im Leben Israels, im Leben der Christen, im Leben der Völker. Es kann den Kopf kosten für die Wahrheit einzustehen.

Aber

„Aber ich sage euch die Wahrheit: es ist gut, dass ich zu dem gehe, der mich gesandt hat. Wenn ich aber gehe, will ich euch den Tröster senden.“

Es ist gut, sagt Jesus, dass ich von euch gehe.
Wirklich? Ist das wirklich gut? Wäre es nicht besser für uns

  • wenn er geblieben wäre,
  • wenn er noch heute da wäre,
  • wenn er sich heute in diese Welt einmischen würde,
  • wenn er heute das er-lösende Wort sagen würde,
  • wenn er heute die not-wendende Tat tun würde,
  • wenn er heute uns nahe wäre, dann, wenn wir ihn brauchen, damit uns das Glauben nicht mehr so schwer fiele, weil ja alle Welt sieht, dass es ihn gibt?

Und wer ist der Tröster?

Stefanie Bahlinger, Mössingen, Von Gottes Geist berührt. Copyright: Gottesdienst-Institut Nürnberg www.gottesdienstinstitut.org

Stefanie Bahlinger, Mössingen, Von Gottes Geist berührt. Copyright: Gottesdienst-Institut Nürnberg www.gottesdienstinstitut.org

Alle Wahrheit

Auf einem Bild von Stefanie Bahlinger sehen wir zwei Kreise angedeutet: einen gelben Kreis oben und einen blauen Kreis unten. Der blaue Kreis hat viele kleine Fenster und hinter diese kleinen Fenster hat die Künstlerin einfach einen Ausschnitt aus einer Tageszeitung gelegt. In Andeutungen können Sie die vielen Wahrheiten lesen, die tagein tagaus an unsere Ohren dringen: Die Worte „Krieg“, „Zerstörung“ und „tot“ kann man da entziffern. – Sagen Politiker, sagen die Wirtschaftsführer die Wahrheit? Erfahren wir die Wahrheit über die Risiken der Kernkraft…? Oder über Schadstoffe in Lebensmitteln…? Oder über die Schadstoffe der Verbrennungsmotoren unserer Autos? Diese vielen Wirklichkeiten bestimmen unser Leben auf Erden. Es ist, so hat es die Künstlerin gemalt, eine Welt fern von Gott. Da klafft eine Lücke zwischen den beiden Kreisen. Aber Gott hat seine Welt nicht aufgegeben. Vielmehr sendet er seinen Geist, der nicht nur die Kluft zwischen Gott und Welt überwindet, sondern schöpferisch in unserer Welt wirkt. Die Künstlerin wählt die Taube als Bild dafür.

Um zu überprüfen wie weit die zerstörerischen Fluten schon zurückgewichen sind, sendet Noah eine Taube aus, die mit einem frischen Olivenzweig im Schnabel zurückkehrt. Die Geschichte aufnehmend, entwirft Pablo Picasso für den Pariser Welt­friedens­kongress im Jahr 1949 eine Lithographie, welche die Taube als Symbol des Friedens populär gemacht hat. Dass die Taube auch als Sinnbild für den Heiligen Geist steht, verdankt sie der Erzählung über die Taufe Jesu durch Johannes. Dabei kommt der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf Jesus. Auf beide Traditionen bezieht sich die Darstellung Stefanie Bahlingers.

Die Sendung des Geistes bedeutet: Der große Prozess Gottes mit dieser seiner Welt ist noch nicht zu einem Ende gekommen. Auch das ist in dem Bild auf der Karte angedeutet: Der Geist wirkt und verwandelt unsere Welt in die Welt Gottes hinein. Die vielen kleinen Fenster mit ihren vielen Wahrheiten wandeln sich und beginnen in derselben gelben Farbe zu erstrahlen wie die Welt Gottes.
Wie geschieht das? Es geschieht nicht ohne uns Menschen, in denen der Geist Gottes wohnt. Die wandelnde Kraft des Geistes gilt uns und der ganzen Schöpfung. Der Geist Gottes öffnet die Augen für die Wahrheit Gottes und auch für die Wahrheit der Welt.

Atemhaus

Rose Ausländer sagt: Wir leben im „Atemhaus“.
Unser blauer Planet ist umgeben von Gottes Atem, Gottes Geist. Ruach, das Wort steht in der häbräischen Bibel für Geist und die Ruach umgibt unsere Erde wie eine Hülle. Alles, was atmet, atmet diesen Geist. Alles, was lebt, atmet Gottes Geist. Die Luft ist unser Lebenselixier. Sie weht im Atemhaus und hält uns am Leben. Gottes Geist ist da, in uns, um uns herum, wir leben in ihm und von ihm.

Nicht die Welt ist der Ort, wo Gott wohnt. Gott ist der Ort, wo die Welt wohnt. Wäre diese Wahrheit anerkannt, würden alle Menschen dies gelernt haben und vor allem danach handeln: Der gelbe Kreis würde den blauen umfassen und erfüllen und erhellen.

Woher wir das wissen?

Wir müssen nur hören! Lesen!

In der hebräischen Bibel finde ich den Grund dafür, warum Menschen über Menschen herrschen: Es ist die uranfängliche und andauernde Entscheidung, die Obhut Gottes zu verlassen und selbst gut und böse zu kennen und zu können.
Ich finde den Grund, wieso Menschen nicht beherrschen was sie in ihrer Autonomie in die Welt setzen: Nicht die Prozesse der Wirtschaft, nicht die Auswirkungen der Erfindung des Geldes, nicht die Entdeckung der Kernenergie oder der Gentechnik, nicht die Erfindung des Automobils.
Und ich finde den Grund, wieso Machtgier und Willkür für den Tod von Millionen Menschen in Kriegen verantwortlich sind. Und dafür, dass Menschen an Hunger sterben, obwohl genug für alle da ist.
Ich finde diese Wahrheit der Welt in der Weigerung, Gottes Herrschaft und Gottes Macht gelten zu lassen und stattdessen eigene Herrschaftsgewalt auszuüben. Die ganze Welt leidet darunter und ist dieser Selbstherrlichkeit ohnmächtig ausgeliefert.

Ohnmächtig?

Ich finde in der Bibel auch jenes Wort, das auf mein Leben und meine Gedanken antwortet. Mir scheint es zugesprochen. Ist das so, dann wirkt Gottes Geist. Oder: Ich bin mir plötzlich ganz sicher, die richtige Entscheidung zu treffen – alle Sorgen werfet auf ihn und dann handelt nach dem, was ihr für richtig erkannt habt. Oder: ich fange an zu begreifen, was Jesus damit meint, wenn er sagt: ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, was ich euch sage. Und ich sehe, wie sich Jesus die Schürze umbindet und den Jüngern die Füße wäscht. „Wer unter euch groß sein will, der diene dem anderen. Liebt euch untereinander wie ich euch liebe.“
Es sind Worte der Bibel, die zu Worten für mich werden, mit denen ich aus diesem lebendigen Strom der Wahrheit schöpfen kann. In denen die Wahrheit zu finden ist über mich, über die Welt und mein Leben in ihr. Erreichen sie mich, wirkt Gottes Geist.

Glauben

Der Geist der Wahrheit lockt in den Glauben. „Ich kann nicht glauben.“ – Das ist manchmal ein Seufzer aus tiefster Seele, manchmal ein Satz aus tiefster Überzeugung.
Glauben ist kein willkürlicher oder moralischer Akt – es ist ein geistliches und geistiges Werden. Deshalb sage ich lieber: Vertrauen. Es kann nicht gemacht werden, es wächst. Sich Gottes Geist auszusetzen und ihn wirken zu lassen, darauf kommt es an. So wie es in dem alten Pfingstlied heißt: Nun bitten wir den Heiligen Geist, um den rechten Glauben allermeist.
Und was ist, wenn uns das Vertrauen fehlt, weil zu viele schreckliche Wahrheiten aus dem Fernseher quellen? Weil es uns die Sprache verschlagen hat? Weil wir hilflos und ratlos, müde und matt sind?
Es ist der Geist selbst, der mit unaussprechlichem Seufzen für uns eintritt. Wie es der Apostel Paulus an seine Gemeinde in Rom schreibt.

Wir sind durch Gottes Geist, durch unseren Atem mit Gott verbunden. Sein Lebenshauch hält uns lebendig. Verlassen wir uns darauf. Und spüren wir dem nach. Die Kraft kommt zurück.

Barbara Koch

Jahreslosung 2017: Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. (Hesekiel 36,26)