Besinnliches

Nächster Sonntagsgottesdienst

Samstag, 16. Dezember
19.00 Uhr
Taizégottedienst mit Pfarrerin Barbara Koch in der Kirche.
 Es musiziert „Ton in Ton“

Sonntag, 17. Dezember, 3. Advent
Wochenspruch: Bereitet dem Herrn den Weg; denn siehe, der Herr kommt gewaltig. (Jesaja 40,3.10)
Predigttext: Römer 15, (4) 5-13
9.30 Uhr Gottesdienst mit Pfarrer i.R. Ulrich Deuchler.
Die Kollekte des Gottesdienstes ist für den Nothilfeverein bestimmt.

Wir feiern 500 Jahre Reformation und wir tun dies in ökumenischer Verbundenheit, nicht als Jubelfeier eines Glaubenshelden - dafür haben wir keinen Grund, zu sehr lasten die Schattenseiten noch auf uns - und nicht als Bußgottesdienst, dafür schätzen wir zu sehr unsere evangelische Freiheit. Wir feiern 500 Jahre Reformation mit allen, die sich in die jahrtausendealte Tradition derer stellen, die hören auf das Wort Gottes, die sich mühen, es heute zu hören und die es hörbar machen und dann auch tun. Ich formuliere dies absichtlich so, dass Israel in den Blick kommt, denn unser sog. Altes Testament, die Tora ist immer noch Israels Bibel, sie war Jesu Bibel, er hat sich durch sie verstanden, sie ausgelegt und gelebt, sie war die Bibel derer, die auf Jesus als Messias bezogen waren, die sog. ersten Christen. Sie ist unsere Bibel bis heute. Unser Gott, der Vater Jesu Christi ist Israels Gott, durch Israel wissen wir von ihm. Deshalb steht in der Tradition derer, die Gottes Wort hören, hörbar machen und tun zuerst Gottes bleibendes Volk. Von ihm lernen wir, wir sind nur ein Zweig am jahrtausendealten Ölbaum Israel, wie der Apostel Paulus im Römerbrief schreibt. Und unsere gemeinsame Aufgabe ist das Wort Gottes, die Tora, die Bibel.
Und so möchte ich heute 500 Jahre Reformation feiern als Fest einer Bewegung, die sich müht, in den alten Schriften Gott sprechen zu hören, das Gehörte mitzuteilen und es zu befolgen.

Prof. Dr. Nolte hat diese Bewegung in seinen Vorträgen in Altshausen über Martin Luther und die Reformation die "Rückgewinnung der Ursprünge" genannt. Er sieht Martin Luther darin vereint mit anderen Theologen auch der Mutterkirche. Und in der Tat dauert sie ja an, diese Bewegung, immer neu geformt kommt Gottes Wort zur Sprache, überall wo man es hört, auch in unseren Gottesdiensten, und jeden neuen Tag stehen wir miteinander vor der Aufgabe, unser Leben mit seinen Strukturen zu re-formieren, zu gestalten nach dem, was wir jetzt für richtig erkannt haben. Dass wir dabei auch verschiedene Wege gehen, liegt sicher auch in der Vielstimmigkeit der heiligen Schriften selbst begründet. Solange wir vereint sind in dieser Bewegung, die Gottes Wort auslöst seit Anbeginn der Welt, kann ich daran nichts Schlimmes finden. Mir gefällt die Formel von der "versöhnten Verschiedenheit", die unsere beiden christlichen Kirchen vor Jahren gefunden haben und die auch beschreibt, wie jüdische Bibelauslegung sich gestaltet. Der Streit um Gottes Wort ist wahrscheinlich so alt wie die Bibel selber und so viele Köpfe es gibt, so viele Meinungen gibt es auch. Die Einheit - und das ist jetzt natürlich evangelisch gedacht - wird nicht durch die Einheit der Glaubenslehre hergestellt, sondern durch das Bekenntnis zu diesem einen Gott. "Wir glauben all an einen Gott" - wenn wir das miteinander bekennen können, dann wird jeder Streit überwunden durch den, der größer ist als unsere Köpfe. Und alle stehen wieder auf - wie beim Lutherschauspiel, weil er uns aufrichtet. "Versöhnte Verschiedenheit" - das ist möglich, weil Gott größer ist als die Unterschiede, die wir machen. Natürlich bleibt der Schmerz der Trennung in der Feier des Abendmahls, der sichtbarsten Form der Gemeinschaft. Wenn wir uns gleich versammeln um den Altar und Brot und Wein miteinander teilen, in denen Christus sich selbst gestaltet, dann sind nicht wir es, die einladen. Christus selber hat eingeladen und lädt auch heute noch ein - er hat niemanden ausgeschlossen. Und doch respektieren wir, dass nicht alle der Einladung folgen möchte aus Gewissens- und Glaubensgründen. Dass wir zusammen beten und singen können, dass Sie der Einladung zum Gottesdienst gefolgt sind und mit uns heute feiern, mag für heute Einheit genug sein und ist Grund zu großer Freude. Das Hören auf Gottes Wort, das uns zum Bekennen, zum Singen und zum Beten bringt, ist der Anfang von allem.
Wir haben die Schriftlesung aus Matthäus 5 gehört, dem Anfang der sogenannten Bergpredigt Jesu. Matthäus hat hier Jesu Lehre als Ausleger der Tora, des Wortes Gottes, zusammengestellt. Der Predigtabschnitt für unser Reformationsfest führt uns vor Augen, dass es wie damals so auch heute zu großen Konflikten kommen kann, sich einer solchen Neu-Auslegung der Tora anzuschließen, sich zu ihr zu bekennen und nach ihr zu handeln. Dies ist die gemeinsame Erfahrung unserer Kirchen, dass Menschen, die zu ihrer Zeit, in ihrem Kontext lauthals bekennen, dass Gott der Herr der Welt ist, erfahren, dass menschliche Herren sich herausgefordert sehen. Ich lese Matthäus 10, 26-33, einen Abschnitt aus der Rede, mit der Jesus die zwölf Apostel aussendet.

Fürchtet sie nicht!
Es gibt nichts Verhülltes, was nicht aufgedeckt werden wird,
uns nichts Verborgenes, was nicht bekannt wird.
Was ich euch in der Dunkelheit sage, das sagt im Licht!
Und was euch zu Ohren kommt, das verkündet von den Dächern!
Fürchtet euch nicht vor denen, die den Körper töten. Das Leben aber können sie nicht vernichten.
Fürchtet vielmehr die Macht, die Körper und Leben in der Hölle vernichten kann.
Werden nicht zwei Spatzen für Kleingeld verkauft? Und doch fällt keiner von ihnen ohne Gott zur Erde.
Nun sind aber sogar eure Haare auf dem Kopf alle gezählt!
Fürchtet euch also nicht; ihr seid von den Spatzen unterschieden.
Denn zu allen, die sich zu mir bekennen vor den Menschen, werde auch ich  mich bekennen vor Gott, für mich Vater und Mutter im Himmel.
Aber die mich verleugnen vor den Menschen, werde auch ich verleugnen vor Gott im Himmel.

Drei Mal schärft Jesus den Aposteln ein: Fürchtet euch nicht!
Fürchtet euch nicht - es ist nicht möglich, die Wahrheit unter dem Teppich zu halten: die Sonne bringt es an den Tag! Sprecht laut und öffentlich! Fürchtet euch nicht, wenn sie euch drohen mit dem Tod. Euer Leben ist bei Gott geborgen. Seiner Fürsorge ist nichts zu gering. Die Trennung von ihm ist der wahre Tod. Fürchtet euch nicht, wer zu mir steht, für den stehe ich ein vor Gott. Wer nicht zu mir steht, für den kann ich nichts tun.
So ähnlich könnte man diese Worte wiedergeben.
Vorausgesetzt ist eine Konfliktsituation. Innerhalb der jüdischen Gemeinden gab es eine Auseinandersetzung, ob dieser Jesus, der so elendiglich am Kreuz gestorben war, der Messias gewesen sein kann. Die dies bejahten, waren eine Minderheit innerhalb der Synagoge. Diese Auseinandersetzungen erregten auch die Aufmerksamkeit der politischen Instanzen. Die öffentliche Ruhe und Ordnung war gefährdet. Es wird auch geschehen sein, dass Vertreter der jüdischen Gemeinde Messiasgläubige bei den Behörden verdächtigten, um nicht mit ihnen als politisch Unzuverlässige in einen Topf geworfen zu werden. Gerichtsverhandlungen vor Synagogengerichten, Magistraten, Mandatsträgern waren die Folge. Dies war die Situation, in der Mätthäus sein Evangelium schrieb und in einer Rede Jesu zur Furchtlosigkeit ermahnt, zu öffentlicher Rede und zum offenen Bekenntnis, zu den Jesusleuten zu gehören.
Ja, so der Evangelist, man konnte sich noch richten nach dieser angekündigten Dynamik Gottes auf die Welt zu, dem herandrängenden Himmelreich. Man konnte immernoch mit seinem Leben die Wirklichkeit des Himmelreichs wirklich werden lassen: gerecht handeln, Trauernde trösten, Sanftmut, nicht Gewalt den Machthabern entgegenbringen, Barmherzigkeit üben. Man konnte noch auf Gottes Herrschaft vertrauen, auch wenn der, der sie angekündigt hatte, nicht mehr da war. Er war trotzdem da! Sogar, wenn man dafür mit dem Tod bedroht wurde. Das Leben ist stärker als der Tod.
So lauten diese mutigen Worte des Evangelisten Matthäus, die uns überliefert sind im Evangelium. Für viele sind sie zu Gottes Wort geworden, viele haben in ihnen Gott sprechen hören. Wohl auch Martin Luther.
Mögen auch wir sie hören, wenn es uns einmal nicht zum Vorteil gereicht, Gottes Tora zu halten, Liebe zu üben und demütig zu sein vor unserem Gott.

Jahreslosung 2017: Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. (Hesekiel 36,26)