Besinnliches

Nächster Sonntagsgottesdienst

Sonntag, 27. Mai, Trinitatis
Wochenspruch: Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll. (Jesaja 6,3).
Predigttext: Epheser 1,3-14
9.30 Uhr Gottesdienst mit Prädikantin Gudrun Egerer.
Die Kollekte des Gottesdienstes ist für die Weltmission bestimmt.

Wasser - eine Gottesgabe. WASSER heißt LEBEN, bedeutet Wachstum und Gedeihen, Wasser steht für Wohlstand und Zukunft. Auseinandersetzungen um die Verteilung des Wassers gibt es seit Jahrtausenden und darum geht es in diesem Text 1. Mose 26: Streit um die Segensgabe Gottes und die Lösung des Konflikts.

Biblisch gesehen gehört Wasser wie Brot zu den Grundnahrungsmitteln. Wasser, ein Gut, das laut der Tora niemandem verweigert werden soll, auch Fremden und Kriegsgefangenen nicht. Ein Vers aus dem Buch der Offenbarung wurde zur Jahreslosung 2018 gewählt, Gott verspricht Wasser zu geben aus der „Quelle des lebendigen Wassers umsonst“. Nicht abgestandenes Wasser aus einer Zisterne, nicht aus einer Pfütze, in der sich schon lange der Himmel nicht mehr spiegelt. Gott verspricht Wasser aus der Quelle, sprudelndes, frisches Wasser, das immer neu und ständig weiter nachfließt.

Wasser wie Manna, das Himmelsbrot: nicht zum Aufbewahren, sondern zum Genießen, zum Erquicken, um Durst und Hunger zu stillen und darauf zu hoffen, zu warten, zu vertrauen, dass morgen auch für mich gesorgt ist. Solche Lebensweise entspricht dem Gott der Bibel: die alles von Gott erwartet und entgegennimmt und nicht auf die eigene Gesichertheit und das eigene Sorgen setzt. „Haben, als hätte man nicht“ beschreibt Paulus viel später diese Lebensführung und Erich Fromm wird im 20. Jahrhundert sagen: Es geht um das Sein, nicht das Haben.

So leben Menschen, die unterwegs sind. Das kann ganz wörtlich gemeint sein, wie bei Menschen, die in fremdem Land leben und keinen gesicherten Rechtsstatus haben - Flüchtlinge heute oder die Erzväter damals. Den Mächtigen ausgeliefert, Gerichten, die über Asylgesuche entscheiden oder den Regierenden der Stadtstaaten der Philister. Das kann auch in einem übertragenen Sinn gelten: Menschen, die unterwegs sind auf der Suche nach dem Sinn, nach Gott, nach der Wahrheit. Und es kann die Lebensart derer sein, die mit Psalm 39 klar erkennen: „Ich bin ein Gast bei dir, ein Fremdling wie alle meine Väter“, die wissen: es gibt keinen Rechtsanspruch auf Gottes Reich, keine Sesshaftigkeit im Königsland. Aus der Bibel können wir diese Gott angemessene Lebensform lernen. Aus den Erzählungen über Menschen, die unterwegs in eine schwierige und vermeintlich aussichtslose Lage geraten. In einer prekären Lage zu sein, bedeutet, auf Bitten angewiesen zu sein und gerade da bekommen die „Verlierer“ Gottes Heilszusage, die Zusicherung von Gottes Mit-Sein, Verbundenheit, Gottes Segen.

Dazu eine Geschichte aus dem 1. Buch Mose:

Der Erzvater Isaak (er steht für das Israel der Frühzeit) und seine Sippe sind von einer Hungersnot bedroht. Er muss mit seinen Herden, seiner Familie, allen, die zu ihm gehören, weiterziehen. Heute bezeichnen wir Menschen in gleichen Situationen als „Wirtschaftsflüchtlinge“. Isaak zieht nach der Stadt Gerar, nahe bei Gaza und dem Fünf-Städte-Bund der Philister. Ihr König heißt Abimelech. Technisch und militärisch sind die Philister den umherziehenden Wanderhirten, die Lebensweise der Isaaksippe, weit überlegen. Eine perfekte Ausrüstung und ein ausgebildetes Berufsheer garantieren ihre Vormachtstellung. Wir werden davon hören. Die Isaak-Leute bitten um Asyl. Sie sind nun Schutzbefohlene der Gerariten, ausgeliefert auf Gedeih und Verderb dieser Macht, so scheint es. Doch gerade in dieser prekären Lage bekommt Isaak Gottes Heilszusage: “Bleibe als Fremdling in diesem Lande und ich will mit dir sein und dich segnen; denn dir und deinen Nachkommen will ich alle diese Länder geben und will meinen Eid wahr machen, den ich deinem Vater Abraham geschworen habe, und will deine Nachkommen mehren wie die Sterne am Himmel und will deinen Nachkommen alle diese Länder geben. Und durch dein Geschlecht sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden.“ So zu lesen im 26. Kapitel des 1. Buch Mose. Im Folgenden wird nun von zwei Entwicklungen erzählt: der erste Teil berichtet, wie sich Gottes Segen auf Isaak und seine Sippe auswirkt. Dabei zeigt sich, welchen Einfluss Gottes Segen auf die Beziehung zwischen Isaak und den Völkern in Gestalt der Philister hat. Isaak wird Ackerbauer im fruchtbaren Land der Gerariten. Durch üppige Ernten wird er so reich, dass die Gerariten neidisch werden. Mit den Worten: „Du bist uns zu mächtig geworden!“ verweist ihn König Abimelech des Landes. Die Sippe Isaaks lagert nun vor dem fruchtbaren Landstrich der Stadt Gerar. Hier wird er mit Wasserknappheit konfrontiert, eine scheinbar hoffnungslose Lage angesichts des großen Viehbestandes, den er in Gerar erwerben konnte. Zum Glück kennen die Isaak-Leute noch alte Brunnen aus Abrahams Zeiten und graben sie auf. Darunter kann man sich alte Zisternen vorstellen. Und dann finden Isaaks Knechte sogar eine Quelle mit lebendigem, frischem Wasser. Sie sind gerettet. Jedoch beanspruchen auch die Hirten der Philister das Wasser, es kommt zum Streit. Die Auseinandersetzung zwischen den Hirten von Gerar und den Hirten Isaaks gleicht einem Krieg. Bis heute währen die Feindseligkeiten um das Wasser in Palästina, denn Wasser ist im Nahen Osten eine knappe Ressource. Die Wasserversorgung Israels, der palästinensischen Gebiete und Jordaniens ist abhängig vom Fluss Jordan. Seit 1967 kontrolliert Israel die Golanhöhen und das Westjordanland und damit auch die Zuflüsse und Quellen des Jordans. Israel entnimmt bis zu 90% des Jordanwassers für das eigene Volk. Nur der kärgliche Rest bleibt für die Palästinensergebiete und Jordanien übrig. Selbst auf das Grundwasser dürfen die Palästinenser nicht mehr zugreifen, obwohl die größte Grundwasserader unter dem Westjordanland liegt. Seit dem Sechstagekrieg müssen sich die Palästinenser bei der Besatzungsmacht eine Genehmigung zum Brunnenbohren holen. Sie dürfen ohne Erlaubnis noch nicht einmal alte Pumpen reparieren. Israel zieht daraus einen großen Vorteil, denn das Grundwasser fließt automatisch und ungehindert auf israelisches Gebiet. Rund 85% des Grundwasservorkommens wird von Israel genutzt und deckt etwa ein Drittel des Wasserverbrauchs. Während es in Israel grünt und blüht, leiden palästinensische Dörfer und die Landwirtschaft alltäglich unter dem Wassermangel. Damals wie heute stellt sich die Frage, wie dieser Konflikt gelöst werden kann. Die Erzählung vom Streit um Gottes Gabe Wasser im ersten Mosebuch redet genau über dieses Thema.

Zunächst wird berichtet, wie die Isaak-Familie den Zankereien aus dem Wege geht. Sie graben einen Brunnen nach dem anderen, finden Wasser und ziehen weiter nach Osten. Bis nach Beerscheba, am Rande der Wüste wandern sie. Gott erneuert dort seine Heilszusage: Er ist mit Isaak und will ihn segnen. Isaak baut in Beerscheba einen Altar und feiert Gottesdienst, die Knechte graben nach Wasser.
Was dann nicht zu erwarten war: die Gerariten marschieren auf, König Abimelech mit seinem Vertrauten Achusat und Pikol, dem Heerführer, wir haben bereits vom stehenden Heer der Philister gehört. Sie gestehen ein, dass sie Jahwes Verbundensein mit Isaak erkannt haben. Die politisch-militärische Staatsgewalt tritt auf. Doch nun nicht mehr als Macht, die Asyl gewähren oder verweigern kann, die Aufenthalt gestattet oder des Landes verweist. Abimelech, sein Minister und sein Militär bitten nun ihrerseits um Schutz. Das Blatt hat sich gewendet. Isaak ist Gottes Gesegneter und als solcher ist er nun der Überlegene.

Gottes Segen, wachsen, gedeihen, Erfolg haben, behütet werden, sichtbarer Zustand des Glücks, des Gewinns, der aus dem Wasserreichtum entspringt, erfahrene Führung, Bewahrung, behütet werden, all das sind sichtbare Auswirkungen des Segens oder Mit-Seins Gottes im Leben eines Menschen. Segen meint ein stetiges Handeln Gottes, das ein Mensch als Überleben, als Glück, als Durchkommen in schweren Tagen erfährt und das andere an ihm als Wachsen, Gedeihen und Gelingen wahrnehmen. So gestehen die Gerariten ein: „Du bist ja doch der Gesegnete Jahwes!“ Und sie möchten einen Bund schließen mit Isaak, einen Friedensvertrag, der ihnen zusichert: „… dass du uns keinen Schaden tust, gleich wie wir dich nicht angetastet haben, und dir nur alles Gute getan und dich mit Frieden haben ziehen lassen.“ Jetzt sind die Philister auf Bitten angewiesen. Erfahren auch sie Gottes Segen?

Stimmt es, was Abimelech sagt? Nein, durchaus nicht. Isaak und sein Familienkreis wurden ausgewiesen, vertrieben und nicht in Frieden entlassen. Wasser wurde ihnen streitig gemacht, nicht „Gutes getan“. Die einzigen Worte, die hier stimmen:  „Du bist ja doch der Gesegnete Gottes.“ Isaak, der nun Mächtigere der beiden Parteien, stellt die Gerariten zuerst zur Rede. Kein Wunder, wenn der Streit erst richtig los geht angesichts der ganzen Unwahrheiten, oder? Dessen ungeachtet verhält sich Isaak nicht erwartungsgemäß. Er nutzt seinen Vorteil nicht aus und er rächt sich nicht. Er gewährt den Gerariten einen Bund. Der Vertrag wird geschlossen. In der Erzählung steht: „Und Isaak ließ sie gehen und sie zogen von ihm mit Frieden.“ Der Streit, der Krieg ist beendet. Die an den Mächtigeren ausgelieferten Abimelech und die Philister haben Gottes Segen in der Lösung dieses Konflikts erfahren. Der Segen Gottes auf dieser Frieden stiftenden großmütigen Tat bestätigt sich alsbald: Am selben Tag kamen Isaaks Knechte und sagten ihm von dem Brunnen, den sie gegraben hatten, und sprachen zu ihm: „Wir haben Wasser gefunden!“

„Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“. Die Gesegneten Gottes leben aus dieser Quelle. Sie haben diese Gabe Gottes gratis. Umsonst geben sie sie weiter, ohne Vorleistung zu fordern, ohne Überlegenheit auszunützen, ohne sich zu rächen, großmütig, großzügig, Gottes Segen, Schalom, Frieden für jeden der darum bittet. Dabei geht es nicht darum,  Israel Ratschläge zu erteilen. Es geht darum, mit Israel mitzulernen. Auch Jesus hat aus seiner jüdischen Bibel gelernt. In der Bergpredigt legt er uns „bessere Gerechtigkeit“ ans Herz, wollen wir ins Reich Gottes kommen. Lernen wir aus seiner Bibel, aus der Isaakgeschichte und mit Israel, verstehen wir, was damit gemeint sein kann: Freiwilliger Rechtsverzicht des Stärkeren. So können Konflikte entschärft werden, versöhnliche Nachgiebigkeit in belastenden Streitfragen ist möglich, das Aus-der-Welt-schaffen von Feindseligkeiten. Dank Israel wissen wir, was zu tun ist. Möge Gott geben, dass wir danach handeln.

Barbara Koch

Jahreslosung 2018: Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (Offenbarung 21,6 (L))