Zeit zum Gebet

Beitrag zum Abendgebet am 03.07.2020

Im Namen Gottes – der uns Frieden zutraut,
im Namen Jesu Christi, der uns Gewaltfreiheit vorgelebt hat,
im Namen der Heiligen Geistkraft, die uns stärkt und zu mutigem Handeln anspornt.

Lied: Sonne der Gerechtigkeit Ev. Gesangbuch Nr. 263
1. Sonne der Gerechtigkeit,
gehe auf zu unsrer Zeit;
brich in deiner Kirche an,
dass die Welt es sehen kann.
Erbarm dich, Herr.
2. Weck die tote Christenheit
aus dem Schlaf der Sicherheit;
mache deinen Ruhm bekannt
überall im ganzen Land.
Erbarm dich, Herr.
3. Schaue die Zertrennung an,
der kein Mensch sonst wehren kann;
sammle, großer Menschenhirt,
alles, was sich hat verirrt.
Erbarm dich, Herr.
4. Tu der Völker Türen auf,
deines Himmelreiches Lauf
hemme keine List noch Macht.
Schaffe Licht in dunkler Nacht.
Erbarm dich, Herr.
5. Gib den Boten Kraft und Mut,
Glaubenshoffnung, Liebesglut,
lass viel Früchte deiner Gnad
folgen ihrer Tränensaat.
Erbarm dich, Herr.
6. Lass uns deine Herrlichkeit
ferner sehn in dieser Zeit
und mit unsrer kleinen Kraft
üben gute Ritterschaft.
Erbarm dich, Herr.
7. Kraft, Lob, Ehr und Herrlichkeit
sei dem Höchsten allezeit,
der, wie er ist drei in ein,
uns in ihm lässt eines sein.
Erbarm dich, Herr.
Text: Str. 1.6 Christian David (1728) 1741; Str. 2.4.5 Christian Gottlob Barth 1827; Str. 3.7 Johann Christian Nehring 1704, neu gestaltet von Otto Riethmüller 1932
Melodie: Böhmen 1467, Nürnberg 1556; geistlich Böhmische Brüder 1566

Das Leitwort des Papstes zum Weltfriedensgebetstag am 13. Jan. 2017 war: „Gewaltlosigkeit: Stil einer Politik für den Frieden“.
3 Jahre liegen dazwischen, aber damals wie heute genauso wichtig.

Gedanken zum Leitwort: Gewaltlosigkeit: Stil einer Politik für den Frieden
Das Leitwort führt uns vor Augen, dass Gewaltlosigkeit nicht nur eine Haltung im persönlichen Umgang miteinander ist, sondern als Prinzip und Mittel der Politik Frieden bewirkt. Das Leitwort nimmt Bezug auf die gemein-same Konferenz des päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden und Pax Christi international zu „Gewaltfreiheit und gerechter Friede“ vom April 2016. In seiner Botschaft an diese Konferenz betonte Papst Franziskus, wie grundlegend dieses Prinzip ist: „Eure Gedanken über die Neubelebung der Mittel von Gewaltfreiheit – insbesondere von gewaltfreiem Handeln – sind ein notwendiger und positiver Beitrag.“
In der Abschlusserklärung wird explizit formuliert, was dazu von jeder und jedem von uns gefordert ist: Wir Christinnen und Christen müssen „die zentrale Bedeutung der aktiven Gewaltfreiheit für die Vision und Botschaft Jesu, für das Leben und Wirken der Katholischen Kirche sowie für unsere langfristige Berufung zur Heilung und Versöhnung sowohl des Volkes als auch des Planeten Erde anerkennen.“ Jedem westlichen Überlegenheitsdenken und alten Vorstellungen vom gerechten Krieg werden damit deutliche Absagen erteilt. Illegaler Waffenhandel, Ausbeutung von Völkern, Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung, Kriege und die vielen kleinen Brandherde von Gewalt auf dieser Welt haben schwerwiegende soziale Aus-wirkungen. Um dem etwas entgegenzusetzen, genügt es nicht, Spenden zu sammeln. Strukturelle Probleme erfordern strukturelle Lösungen. Deshalb muss sich der Stil von Politik – auch von unserer Politik – ändern. Aus Spannungen dürfen keine Kriege erwachsen und die Macht des Rechts muss Vorrang vor dem Recht der Macht erhalten. Echter Fortschritt ist nur durch Gewaltlosigkeit – als Stil einer Politik für den Frieden – zu erlangen.
Gewaltlosigkeit als Stil einer Politik für den Frieden scheint inmitten unserer Welt, die wir so oft als brüchig, grausam und kaputt erleben, eine paradiesische Raumvorstellung. Das Bild der „One human family“ zeigt uns, dass alle Menschen gleich sind, von Gott geschaffen. Überlegen wir in der Stille, wie Gewaltlosigkeit gelebt werden kann – im Kleinen wie im Großen.

Tagesgebet
Du Gott der Gewaltlosigkeit. Du schenkst uns deine Liebe und deinen Frieden. Mach uns bereit, immer wieder Wege des friedlichen Miteinanders zu suchen. Gib uns die Kraft, allen entgegenzutreten, die nur an gewaltsame Lösungen denken. Sende uns deinen Heiligen Geist, damit wir dich in jedem Menschen sehen.

 Fürbitten
 „Teilen, nicht töten“ ist der einzige Weg wie Gewaltlosigkeit gelebt werden kann. Darum lasst uns bitten:

  • Für die Menschen, die Gewalt erleben oder von Gewalt bedroht sind: Sei du bei ihnen.
  • Für die politischen Entscheiderinnen und Entscheider: Lass sie die komplexen Zusammenhänge in der Welt mit dem Blick der Gewaltlosigkeit sehen und danach ausgerichtet ihre Entscheidungen treffen.
  • Für die Konsumentinnen und Konsumenten: Lass sie nachhaltige Entscheidungen treffen und schenke ihnen die Zuversicht, dass viele kleine Schritte zusammengenommen viel bringen.
  • Für uns selbst: Schenke uns Achtsamkeit für unsere Verantwortung und den Mut, anzufangen und weiterzugehen.

Kyrie Ev. Gesangbuch Nr.787.7

Vater unser im Himmel... Denn dein ist das Reich...

Ein Friedensgruß von Dorothee Sandherr-Klemp

Frieden wird werden, wenn die geschlagene Gerechtigkeit wieder aufgerichtet ist.
Frieden wird werden, wenn der Essig des Rechtsbruchs, zum Honig des Rechtsspruchs wird.
Frieden wird werden, wenn das Recht wie Balsam auf den Wunden der Entrechteten wirkt.
Frieden wird werden, wenn wir die leise Stimme hören, die die Wahrheit will.
Frieden wird werden, wenn die, die das Recht beugen, den Kopf vor der Wahrheit neigen.
Frieden wird werden, wenn Lebensmittel endlich Mittel des Lebens für alle sind.
Frieden wird werden, wenn wir Unrecht erkennen, benennen, das Gute suchen, das Rechte tun.
Frieden wird werden, wenn wir es wagen, wenn wir einander den Frieden zusagen.
Frieden wird unter uns sein. Miteinander, füreinander, dein und mein.
Gottes Frieden beginnt. Bei dir, bei mir. Jetzt und hier.

Segen
Herr, segne uns – und das, was wir tun.
Behüte uns – und die, mit den wir leben.
Lass dein Angesicht leuchten über uns – und über die, für die wir verantwortlich sind.
Sei uns gnädig – und all denen, die sich feind sind.
Erhebe dein Angesicht über uns – und unsere Geschwister in aller Welt.
Gib uns  – und der ganzen Welt deinen Frieden.

Glaubensbekenntnis der Ökumenischen Weltkirchenkonferenz 1990 in Seoul

Ich glaube an Gott, der die Liebe ist

und der die Erde allen Menschen geschenkt hat.

Ich glaube nicht an das Recht des Stärkeren,

an die Stärke der Waffen,

an die Macht der Unterdrückung.

Ich glaube an Jesus Christus.

Der gekommen ist, uns zu heilen,

und der uns aus allen tödlichen Abhängigkeiten befreit.

Ich glaube nicht, dass Kriege unvermeidbar sind,

dass Friede unerreichbar ist.

Ich glaube nicht, dass Leiden umsonst sein muss,

dass der Tod das Ende ist,

dass Gott die Zerstörung der Erde gewollt hat.

Ich glaube, dass Gott für die Welt eine Ordnung will,

die auf Gerechtigkeit und Liebe gründet

und dass alle Frauen und Männer

gleichberechtigte Menschen sind.

Ich glaube an Gottes Verheißung

eines neuen Himmels und einer neuen Erde,

wo Gerechtigkeit und Frieden sich küssen.

Ich glaube an die Schönheit des Einfachen,

an die Liebe mit offenen Händen,

an den Frieden auf Erden. Amen

 

Seit 1990, also seit 30 Jahren treffen wir uns, außer in den Schulferien, in einer kleinen Gruppe tatsächlich seit damals, zur „Zeit zum Friedensgebet“ in der Evangelischen Kirche.

Anlass war vor genau 30 Jahren die Weltkirchenkonferenz im fernen Seoul. Täglich haben wir uns anfangs abwechselnd in der Pfarr- und Schlosskirche St. Michael und in der Evangelischen Kirche in Altshausen zur Gebetszeit getroffen, um die dortigen Beschlüsse und Überlegungen im Gebet hier bei uns vor Ort zu begleiten.

Dann kam der Golfkrieg im Irak und große Angst war vor den modernen Waffen unserer Neuzeit zu spüren und so gab es wieder das tägliche Gebetsangebot. Wir haben uns im Team des Friedensgebets dann auf 19:00 Uhr täglich geeinigt.

Nach Ende des Golfkrieges wählten wir schließlich 19:00 Uhr, immer freitags in der Evangelischen Kirche. Zuständig sind immer 1-2 Verantwortliche für das Friedensgebet. Eine kleine Liturgie ist entstanden und zu normalen Zeiten werden immer die Fürbitten aus Taizé gemeinsam gebetet. Ein Lied, ein Impuls und die Stille Zeit schließen mit diesen Fürbitten, dem Vaterunser und einem Segenswort ab. Die Liturgie finden Sie oben abgedruckt.

Einmal im Jahr gestalten wir mittlerweile im Rahmen der Friedensdekade im November am Volkstrauertag einen Friedensgottesdienst – ebenfalls in der Evangelischen Kirche.

Nun beten wir in dieser Corona-Krise im ökumenischen Miteinander in Altshausen um 19:30 Uhr und die Glocken der Pfarr- und Schlosskirche St. Michael und unserer Glocken läuten jetzt gemeinsam um diese Zeit, wie alle Glocken der Gotteshäuser in Baden-Württemberg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Als Zeichen der Solidarität mit allen Kranken und Helfenden, mit allen bekümmerten und das Gebet suchenden Mitchristen stellen wir eine Kerze ins Fenster zu den Nachbarn.

Das Team des Friedensgebetes grüßt alle Mitbetenden und wir freuen uns, wenn wieder die Zeit der Gnade kommt und wir uns freitags, vielleicht dann bleibend um 19:30 Uhr in der Kirche treffen können. – Vielleicht können wir ja dann in einem passenden Rahmen auch unser 30jähriges Jubiläum feiern.

Im Namen des Teams des Friedensgebetes grüßt Sie herzlich

Gudrun Egerer

Jahreslosung 2020: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! (Markus 9,24)

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