Kirchengemeinderat
Alexandra Arnold
Alexandra Arnold
(Kraft Amtes)
 
Barbara Koch
Barbara Koch
(Kraft Amtes)
Christine Knittel
Christine Knittel
Eberhard Sigloch
Eberhard Sigloch

Elke Jochum-Stöckler
Elke Jochum-Stöckler

Emma Scharmach
Emma Scharmach

Lotte Schneider
Lotte Schneider
Susanne Ochs
Susanne Ochs
Trude Lang
Trude Lang

Der Begriff Inklusion beschreibt in der Soziologie den Einschluss bzw. die Einbeziehung von Menschen in die Gesellschaft. Der Begriff ist komplementär zu dem der Exklusion, (also dem Ausschluss); der eine Begriff ist ohne den anderen nicht denkbar. So beschreibt es Wikipedia.

Zum Netzwerk Inklusion werden unter dem Vorsitz von Landesbischof Dr. Frank Otfried July Vertretungen aus Arbeitsbereichen von Landeskirche und Diakonie eingeladen, die sich für eine Teilhabe von benachteiligten, behinderten und vergessenen Personengruppen einsetzen. Bei jedem Treffen wird neben Informationen aus den jeweiligen Bereichen eine dieser Gruppen näher betrachtet.

Unter dem Stichwort Lernfeld Beteiligung, Sexuelle Identität und Vielfalt: Homosexuelle Menschen in unserer Kirche, waren Pfarrerin Barbara Koch, KGRin Trude Lang und ich als Gäste eingeladen.

Frau Ursula Kress, Beauftragte der Landeskirche für Chancengleichheit, machte in ihrem Eingangsreferat darauf aufmerksam, dass bereits vor 25 Jahren die Landessynode eine Arbeitsgruppe „Homophilie“ anregte, in der Empfehlungen zur Stellung homosexueller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Kirche erarbeitet werden sollten. Trotz einiger Studientage und Aktionen gab es keine nachhaltigen Ergebnisse.

2003 gründete sich das Bündnis Kirche und Homosexualität, das die Diskussion wieder aufgreifen wollte und die unmissverständliche Feststellung, dass „homosexuelle Menschen zu unserer Kirche gehören“ forderte. Lesbische Christinnen und schwule Christen sollen aufgrund ihrer Lebensform keine Diskriminierung und Benachteiligung erfahren. Lesben und Schwule sollen in der Kirche als Gemeindemitglieder, als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und als Amtsträgerinnen und Amtsträger wahrgenommen und respektiert werden. Über ein 1997 erstelltes Papier mit dem Titel „Gesichtspunkte“ sollte endlich in allen Bereichen der Landeskirche geredet werden.

Da es nicht das Thema von Einzelnen sein kann, sondern von der gesamten Gemeinde, hat sich im Juli 2016 die „Initiative Regenbogen“ gegründet. Zu den sogenannten Regenbogengemeinden schließen sich Kirchengemeinden zusammen, die gemeinsam von der Kirchenleitung u. a. Folgendes erwarten: die Entwicklung rechtlicher Rahmenbedingungen für 1. die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare und 2. das Zusammenleben von Pfarrerinnen mit ihrer Partnerin und von Pfarrern mit ihrem Partner im Pfarrhaus. Fast 100 Gemeinden sind inzwischen Mitglied.

Im März 2019 hat die Landessynode beschlossen, dass in 25 % der Kirchengemeinden Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare möglich sein sollen, wenn ¾ der Mitglieder des Kirchengemeinderats und der zuständigen Pfarrerinnen und Pfarrer zustimmen.

Im Dezember 2017 stimmte der KGR Altshausen dem Beitritt zur „Initiative Regenbogen“ zu, denn in unserer Kirchengemeinde sind alle Menschen willkommen, selbstverständlich auch Lesben und Schwule. Das Netzwerk Inklusion lud uns als Vertreterinnen zu Interview und Aussprache nach Stuttgart ein. Die Fragen an uns Kirchengemeinderätinnen bezogen sich hauptsächlich auf die Wahrnehmung in und mit der Gemeinde z. B.: Gab es Schwierigkeiten, wenn ja, welche? Wie sind wir damit umgegangen? Woher kam Zuspruch? Wurde die Lebensgemeinschaft von Frau Koch und Frau Lauser akzeptiert? Gerade das Zusammenleben von homosexuellen Paaren im Pfarrhaus ist in der Landeskirche immer noch die Ausnahme.

Im Gespräch schilderte Frau Koch ihre persönlichen Erfahrungen und Verletzungen, auch durch Vertreter der Landeskirche, im Blick auf ihre sexuelle Orientierung. Sie  berichtete aber auch von freundlicher Aufnahme und Akzeptanz in unserer Gemeinde Altshausen. Die erlebten Diskriminierungen, das Nichtwillkommensein wurde von (anderen) Mitgliedern in der Runde mit eigenen Erfahrungen geteilt. Einige Pfarrerinnen und Pfarrer sind deshalb in andere Landeskirchen gewechselt, in denen sie voll anerkannt werden. In diesem Zusammenhang wurde der Punkt Karriereaussichten angesprochen und festgestellt, dass es keine offen lebenden Schwule und Lesben in Leitungspositionen der Württembergischen Landeskirche gibt. Und selbst da, wo es Offenheit zu geben scheint, kommt es doch immer wieder zu subtilen Benachteiligungen. Das Umdenken in der Gesellschaft und in der Kirche hinsichtlich gleichgeschlechtlicher Lebensweisen vollzieht sich nur sehr langsam. Für die Betroffenen ein quälend langwieriger Prozess. Mehr Offenheit miteinander und die Erkenntnis, dass nicht-heterosexuelle Menschen auch normal sind, gelingt nur durch Begegnung und eine ehrliche Diskussion.

Die Mitglieder des Netzwerks äußerten sich überwiegend anerkennend über den Weg unserer Gemeinde. Sie bestärkten uns in dem Wunsch, eine von den Segnungsgemeinden werden zu wollen. Leider war der Landesbischof an diesem Tag krank, so haben wir seine Haltung zu dem Thema nicht erfahren. Für seine Vertretung, Oberkirchenrat Dieter Kaufmann, Vorstandsvorsitzender des Diakonischen Werkes, war klar, dass im Bereich der Diakonie die professionelle Tätigkeit der Mitarbeitenden an erster Stelle gesehen wird und nicht die sexuelle Orientierung.

Das wünschen wir uns alle auch für den Bereich der verfassten Kirche.

Inzwischen, seit dem 1. Januar 2020, ist das von der Landessynode verabschiedete Gesetz in Kraft, es sieht die „Einführung von Gottesdiensten anlässlich der bürgerlichen Eheschließung zweier Personen gleichen Geschlechtes“ vor.

Erst mit diesem Inkrafttreten können Kirchengemeinden sich formal damit auseinandersetzen. Ein KGR - Beschluss ist notwendig für den Antrag auf Änderung der Gottesdienstordnung an den Oberkirchenrat. Bei Genehmigung gehört die Gemeinde dann zu den 25% der Segnungsgemeinden. Die „Regenbogen-Gemeinden“ werden generell zu den 25%-Gemeinden gezählt, da sie sich bereits mit dem Thema befasst haben. Unsere Mitgliedschaft in der „Initiative Regenbogen“ hat das neue Kirchengemeinderatsgremium in der Klausur-Sitzung im März bekräftigt. Einstimmig haben wir uns dafür ausgesprochen, dass in unserer Kirchengemeinde gleichgeschlechtliche Paare getraut werden können. Wer von Ihnen mehr Informationen möchte, kann sich gerne an Frau Pfarrerin Koch oder ein Mitglied des Kirchengemeinderats wenden.

Lotte Schneider/Trude Lang

Jahreslosung 2020: Ich glaube; hilf meinem Unglauben! (Markus 9,24)

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