Besinnliches

Musik zum Eingang

Votum

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Wochenspruch: Lukas 19, 10

Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Psalmgebet: Seligpreisungen; EG 760

 

Selig sind, die da geistlich arm sind;

denn ihrer ist das Himmelreich.

Selig sind, die da Leid tragen;

denn sie sollen getröstet werden.

Selig sind die Sanftmütigen;

denn sie werden das Erdreich besitzen.

Selig sind, die da hungert und dürstet
nach der Gerechtigkeit;

denn sie sollen satt werden.

Selig sind die Barmherzigen;

denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.

Selig sind, die reinen Herzens sind;

denn sie werden Gott schauen.

Selig sind die Friedfertigen;

denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen
verfolgt werden;

denn ihrer ist das Himmelreich.

(Ehr sei dem Vater)

Eingangsgebet

Barmherziger Gott,
du suchst alle Menschen, die sich von dir abgewendet haben.
Du suchst auch uns.
Gib, dass wir deinen Ruf hören und gerettet werden
durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn.
Amen.

(Stilles Gebet)

Lied: Meine Hoffnung und meine Freude; EG 576
Meine Hoffnung und meine Freude, meine Stärke, mein Licht:
Christus meine Zuversicht,
auf Dich vertrau ich und fürcht‘ mich nicht, auf Dich vertrau ich und fürcht‘ mich nicht.

Schriftlesung (gleichzeitig der Predigttext): Lukas 15, 1-10

Hinführung zur Schriftlesung:
Die Texte des Sonntags variieren die Motive des Suchens, Findens und der Rettung des Verlorenen. Verlorengehen hat mit dem Verlust von Bindungen und Bezügen zu tun. Es gibt ein inneres Verlorengehen: wenn einer die Richtung verliert und den Sinn für sich selbst, Gott und die Welt. Die tröstliche Gewissheit lautet: Ich werde nicht für immer verlorengehen. Ein neues, befreites Leben ist möglich.

Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören. Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach: Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er's findet? Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's auf die Schultern voller Freude. Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war. Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen hat und einen davon verliert, zündet nicht ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie ihn findet? Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen gefunden, den ich verloren hatte. So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Lied: Jesus nimmt die Sünder an; EG 353, 1-4

  1. Jesus nimmt die Sünder an.
    Saget doch dies Trostwort allen,
    welche von der rechten Bahn
    auf verkehrten Weg verfallen.
    Hier ist, was sie retten kann:
    Jesus nimmt die Sünder an.
  2. Keiner Gnade sind wir wert;
    doch hat er in seinem Worte
    eidlich sich dazu erklärt.
    Sehet nur, die Gnadenpforte
    ist hier völlig aufgetan:
    Jesus nimmt die Sünder an.
  3. Wenn ein Schaf verloren ist,
    suchet es ein treuer Hirte;
    Jesus, der uns nie vergisst,
    suchet treulich das Verirrte,
    dass es nicht verderben kann:
    Jesus nimmt die Sünder an.
  4. Kommet alle, kommet her,
    kommet, ihr betrübten Sünder!
    Jesus rufet euch, und er
    macht aus Sündern Gottes Kinder.
    Glaubt doch und denket dran:
    Jesus nimmt die Sünder an.  

Liebe Gemeinde,

wir haben die Gleichnisse vom verlorenen Schaf und vom verlorenen Groschen aus dem Lukasevangelium gehört.

Warum verlässt der Hirt die 99 Schafe, um nach dem einen zu sehen, das er verloren hat? Er tut es, weil dieses Schaf verschwunden ist.

Zwischen Gott und den Ratlosen und Ausweglosen, den Menschen die die Orientierung verloren haben und nicht ein noch aus wissen, besteht eine besondere Gemeinschaft. Draußen in der Wildnis ist Gott unablässig aktiv, sagt Jesus, weil er Gott für die sein will, die ihn am meisten brauchen.

So dachte man nicht zur Zeit Jesu. Vielleicht tun wir dies heute auch nicht.

Damals aber scheute man sich nicht, direkt zu sagen, dass nur die Frommen wagen konnten, sich Gott zu nähern. Sie sollten sich von anderen Menschen nach Betragen und Wesen unterscheiden. Einmal am Ende der Zeiten würden die Heiligen zusammen mit dem Heiligen speisen, und während sie darauf warteten, gehörte es sich nicht, mit den weniger Heiligen gemeinsam zu essen.

Jesus war nicht so pingelig bei der Auswahl seiner Tischgenossen. Er aß mit denen zusammen, die sich am meisten von Gott entfernt hatten, mit denen, deren Verhältnis zu Gott mehr als zweifelhaft war, mal ein enges Verhältnis, mal weit weg, aber jedenfalls ohne die geringste Andeutung von Heiligkeit im Urteil der Menschen.

Jesus ließ durchblicken, dass es Gott war, der bei solchen Gelegenheiten mit denen aß, die er auserwählt hatte. Leute, die meinten, Gott am nächsten zu stehen, bekamen zu hören, dass Gott bei denen war, die für sie ganz außerhalb der Gemeinschaft standen.

Wenn Jesus dann von Gott spricht, tut er dies in denselben Worten, die er schon in die Tat umgesetzt hatte. Er erzählt von Gott in Gleichnissen, d.h. er vergleicht Gott mit ganz gewöhnlichen einfachen Menschen. Manchmal vergleicht er ihn zwar auch mit einem König oder einem großen Herren, aber dann ist es fast immer ein König, der sich höchst unköniglich benimmt – oder königlich in einer ganz unerwarteten Weise.

Meist vergleicht Jesus Gott mit einfachen Menschen - wie im Gleichnis vom Hirten oder dem Gleichnis vom verlorenen Groschen, wo die Hautperson eine Hausfrau ist.

Wir verbinden etwas Idyllisch-romantisches mit einem Hirten, aber bei den Menschen zur Zeit Jesu sah man es als eine schmutzige Arbeit an, Tiere zu hüten, ja in den Augen vieler frommer Leute war es gar eine sündige Beschäftigung. Ihnen muss es unsäglich plump, fast blasphemisch erschienen sein, wenn Jesus in dieser Weise von Gott sprach.

Dies ist auch der Fall, wenn Jesus im Gleichnis vom verlorenen Groschen Gott in der Gestalt einer Frau abbildet. Wenn es um Gott ging, kamen die Frauen ganz entschieden erst in zweiter Reihe. Die häusliche Arbeit und der Kaffee mit der Nachbarin als Bild für das Verhältnis Gottes zu den Menschen – das war schockierend.

Aber Jesus ging gar noch einen Schritt weiter: Er erzählte nicht nur, dass Gott uns in unserem ganz gewöhnlichen Alltag folgt (und dass deshalb Ereignisse aus eben diesem Alltag als Bilder für Gott dienen können), er sagte auch, dass Gott dem Menschen bis ganz dahin folgt, wo es keine Gemeinschaft gibt, keine Ganzheit, kein Einverständnis, keine Geborgenheit, wo alle Wege Abwege sind.

Dort ist Gott nicht, sagten die Frommen, denn das ist die Öde der Verdammnis.

Doch, sagt Jesus – denn dort brauchen Menschen Gott mehr als irgendwo sonst, deswegen ist er dort – so ist Gott, bereit, das zu finden, was verloren ist, bereit zu heilen, was zerbrochen ist. Dort draußen, an dem unheiligsten aller Orte, entsteht eine Gemeinschaft, eine Gemeinschaft des verlorenen Menschen mit dem Gott, der seine eigene Heiligkeit durchbrochen hat, aus ihr ausgewandert ist, um nicht von denen getrennt zu sein, die ihn brauchen. So wie Jesus die Häuser der Ausgestoßenen aufsuchte, so geht er mit Menschen heute auf ihren Wegen, auch mit denen, von denen man vielleicht glauben sollte, dass sie ihm am meisten fern stehen. Nicht um alle menschlichen Abwege gutzuheißen, sondern um diese Menschen nicht im Stich zu lassen.

Und auch wenn wir uns vielleicht einbilden, dass wir auf dem rechten Weg sind, zum Kreis der Glücklichen, Erfolgreichen und Starken gehören, so enden wir auch da draußen, wo das Leben entweder für uns zerstört wird und wir weder ein noch aus wissen – oder wo wir das der anderen zerstören. Das Letztere ist vielleicht mehr die Regel.

Es gibt für uns alle eine Wildnis, in der alle Wege Abwege sind, die nirgendwo hinführen. Die Wildnis kann sich selbst in den engsten Beziehungen zwischen Menschen ausbreiten, zwischen Eheleuten oder Eltern und Kindern. Aber nun sagt Jesus, dass Gott auf den Abwegen der Menschen ist, dass er dort nach uns sucht. Er hält sich nicht für zu heilig, er hält sich nicht für zu erhaben. Die Wüste, dort wo alle Gemeinschaft zerbrochen ist, wo Geborgenheit, Ganzheit und Sinn verschwunden sind, wird zum heiligen Ort, weil Gott uns dort aufsucht.

Gott ist ganz anders, sagten die Tonangebenden zur Zeit Jesu. Gott ist wirklich anders, als die Leute glaubten, ja bestimmt auch anders als diejenigen glaubten, unter denen Jesus lebte. Gott ist dort, wo man es nicht erwartet, immer. Er kann uns verlorengehen, aber wir können ihm nicht verlorengehen, denn wenn wir uns von ihm entfernen, so sind wir dennoch dort, wo er uns sucht. Der Mensch, der die Orientierung im Leben verloren hat und weder ein noch aus weiß, soll wissen, dass Gott ihm nahe ist – gerade dort, wo er sich befindet.

In einem Lied heißt es „Was kann uns kommen an für Not, so uns der Herre weidet“.

Amen.

Lied: O Jesu Christe, wahres Licht; EG 72, 1-6

 

  1. O Jesu Christe, wahres Licht,
    erleuchte, die dich kennen nicht,
    und bringe sie zu deiner Herd,
    dass ihre Seel auch selig werd.
  2. Erfülle mit dem Gnadenschein,
    die in Irrtum verführet sein,
    auch die, so heimlich ficht noch an
    in ihrem Sinn ein falscher Wahn;
  3. und was sich sonst verlaufen hat
    von dir, das suche du mit Gnad
    und ihr verwund't Gewissen heil,
    lass sie am Himmel haben teil.
  4. Den Tauben öffne das Gehör,
    die Stummen richtig reden lehr,
    die nicht bekennen wollen frei,
    was ihres Herzens Glaube sei.
  5. Erleuchte, die da sind verblend't,
    bring her, die sich von uns getrennt,
    versammle, die zerstreuet gehn,
    mach feste, die im Zweifel stehn.
  6. So werden sie mit uns zugleich
    auf Erden und im Himmelreich
    hier zeitlich und dort ewiglich
    für solche Gnade preisen dich.

 Fürbittengebet

Wie gut, Gott, du bleibende Nähe, dass du uns Menschen treu bist!
Du bist bei uns in allem Leid und allen Leiden.
Wir bitten dich,
bleibe bei uns und lass uns treu sein
denen, die uns ihr Leid mitteilen,
denen, die auf unsere Gebete warten,
denen, die um unsere Freundschaft bitten,
denen, die nach unserer Hoffnung fragen.
Bleibe bei uns und hilf uns,
zu lieben und zu leben in dieser Zeit.
Amen.

Vater Unser

Lied: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt; EG 611, 1-3

 

  1. Ich lobe meinen Gott,
    der aus der Tiefe mich holt, damit ich lebe.
    Ich lobe meinen Gott,
    der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.

Refrain:

Ehre sei Gott auf der Erde
in allen Straßen und Häusern,
die Menschen werden singen

bis das Lied zu Himmel steigt.

Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,

Frieden auf Erden.

  1. Ich lobe meinen Gott,
    der mir den neuen Weg weist, damit ich handle.
    Ich lobe meinen Gott,
    der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede.

    Refrain: Ehre sei Gott…
  2. Ich lobe meinen Gott,
    der mir die Tränen trocknet, damit ich lache.
    Ich lobe meinen Gott,
    der meine Angst vertreibt, damit ich atme.

Refrain: Ehre sei Gott…

Abkündigungen

Segen

Der Herr segne Dich und behüte Dich.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über Dir
und sei Dir gnädig.
Amen.

Musik zum Ausgang

Jahreslosung 2020: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ (Lukas 6, 36)